9 September 2026

Welttag der Sepsis: Prof. Dejan Markovic und Dr. Jovana Avramović Stanisavljević

In unserem neuen Artikel teilen Prof. Dejan Markovic, Leiter der Abteilung für Anästhesie an der Klinik für Herzchirurgie des Clinical Centre of Serbia, und Dr. Jovana Avramović Stanisavljević, stellvertretende Leiterin des Zentrums für Anästhesiologie und Reanimatologie am Clinical Centre of Serbia, ihre Perspektiven auf den sich wandelnden Ansatz in der Sepsisversorgung.

„Meine erste Begegnung mit Sepsis hatte ich früh während meiner Facharztausbildung, als ich einen jungen Patienten behandelte, der einen fulminanten septischen Schock entwickelte. Besonders eindrücklich war, wie schwierig die Erkrankung zu erkennen war: Das erste Anzeichen war eine Bewusstseinsveränderung – etwas, das ich damals nicht mit Sepsis in Verbindung gebracht hatte. Mit Fortschreiten des septischen Schocks führte eine ausgeprägte Vasoplegie rasch zu einer Beeinträchtigung praktisch aller Organsysteme, einschließlich eines akuten Nierenversagens, eines ARDS und schwerer hämatologischer Störungen. Das klinische Bild veränderte sich von Minute zu Minute, und die Behandlung wurde zu einem fast zweimonatigen Kampf, der durch Reinfektionen, Rückfälle und eine auf der Intensivstation erworbene Muskelschwäche erschwert wurde. Trotz aller Maßnahmen, die uns zur Verfügung standen, verstarb der Patient schließlich.

Diese Erfahrung hat mich nachhaltig geprägt und beeinflusst, wie ich Sepsis heute begreife: als dynamische Multisystemerkrankung, die eine kontinuierliche Neubewertung und Anpassung erfordert. Was mich weiterhin motiviert, ist die Entwicklung unserer Möglichkeiten zur Erkennung und Behandlung der Sepsis. Trotz Fortschritten bei Diagnostik, Antibiotika, Monitoring und Organunterstützung entwickeln sich Bakterien weiter und finden neue Wege, unseren Therapien zu entkommen. Dieses ständige Rennen zwischen medizinischem Fortschritt und mikrobieller Resistenz erinnert uns daran, dass wir weiter lernen und uns anpassen müssen.

Auf unserer Intensivstation sind multimodale Hämoadsorption und extrakorporale Blutreinigungsverfahren ein wichtiger – und in ausgewählten Fällen potenziell lebensrettender – Bestandteil der Behandlungsstrategie. Diese Ansätze ziehen wir bei schwerem septischem Schock, anderen Formen der therapierefraktären Vasoplegie, schweren ischämie- und reperfusionsbedingten Organschäden oder komplexen Infektionen in Betracht, insbesondere wenn die konventionelle Behandlung nicht ausreicht, um die überwältigende pathophysiologische Reaktion zu kontrollieren.

Die zentrale Herausforderung besteht darin, diejenigen Patienten zu identifizieren, die mit der größten Wahrscheinlichkeit davon profitieren. Noch verfügen wir über keine einfache Möglichkeit, den hyperinflammatorischen Phänotyp am Krankenbett zu erkennen oder den exakten Zeitpunkt zu bestimmen, zu dem eine extrakorporale Blutreinigung am ehesten wirksam ist. Entscheidend ist die Integration dieser Verfahren mit der Fokuskontrolle, einer angemessenen antimikrobiellen Therapie und der Organunterstützung. Die Auswahl der Patienten und – vielleicht noch wichtiger – das Timing sind entscheidend.

Wir ziehen die Hämoadsorption tendenziell frühzeitig in Betracht, wenn das klinische Bild und der Gesamtverlauf darauf hindeuten, dass der Patient davon profitieren könnte, anstatt zu warten, bis alle anderen Optionen ausgeschöpft sind. Nach unserer Erfahrung beobachten wir häufig einen sinkenden Bedarf an Vasopressoren, eine verbesserte hämodynamische Stabilität und einen Rückgang von Entzündungsmarkern, einschließlich IL-6. Ich sehe darin eine Möglichkeit, anderen Therapien Zeit zu geben, ihre Wirkung zu entfalten.

Es fehlen weiterhin belastbare randomisierte Daten, um klar zu bestimmen, welche Patienten am meisten profitieren. Zudem bestehen Bedenken hinsichtlich der Kosteneffektivität und einer möglichen Entfernung therapeutischer Medikamente, einschließlich antimikrobieller Wirkstoffe. Die klinische Erfahrung wächst jedoch, und wir lernen zunehmend, wie sich diese Therapien in eine umfassendere Behandlungsstrategie integrieren lassen. Für mich besteht die wichtigste Veränderung darin, dass wir nicht mehr nur darüber nachdenken, ob wir ein Gerät einsetzen sollten. Wir fragen vielmehr: bei welchem Patienten, bei welchem Phänotyp und zu welchem Zeitpunkt?

Eine der spannendsten Veränderungen im Sepsismanagement ist die Abkehr von starren, einheitlichen Protokollen hin zu einer stärker personalisierten und dynamischen Versorgung. Sepsis ist nicht bei jedem Patienten dieselbe Erkrankung, und selbst bei ein und demselben Patienten kann sich ihre Biologie im Laufe der Zeit verändern. Die Kombination klinischer Daten mit Biomarkern, schneller mikrobiologischer Diagnostik, künstlicher Intelligenz und künftig Multi-Omics-Profiling wird uns helfen, diese Unterschiede früher zu erkennen und den biologischen Phänotyp jedes Patienten besser zu verstehen.

In den kommenden zehn Jahren werden aus meiner Sicht eine frühere Diagnosestellung, stärker personalisierte Behandlungen und bessere Versorgungssysteme den größten Einfluss haben. KI, fortschrittliches Monitoring und schnelle mikrobiologische Diagnostik können uns helfen, Verschlechterungen früher zu erkennen und besser zu verstehen, welche Patienten am ehesten von einer bestimmten Therapie profitieren.

Technologie allein wird das Problem jedoch nicht lösen. Konsequente Infektionsprävention, ein verantwortungsvoller Einsatz antimikrobieller Medikamente, eine wirksame Fokuskontrolle und kontinuierliche Fortbildung bleiben unverzichtbar. Letztlich beruht die Sepsisversorgung auf koordinierten Entscheidungen: vom Chirurgen, der den Infektionsherd kontrolliert, über Pflegekräfte, die Übertragungen verhindern und Verschlechterungen erkennen, bis hin zu Intensivmedizinern, die den Patienten kontinuierlich neu beurteilen und die Therapie anpassen.

Für mich bedeutet „Never Stop Fighting Sepsis“, niemals aufzuhören, neu zu beurteilen, zu lernen und sich anzupassen – neuen Erkenntnissen und aufkommenden Bedrohungen einen Schritt voraus zu sein, Infektionen zu verhindern, neue Technologien zu nutzen und ein multidisziplinäres Team aufzubauen, das bereit ist, für jeden Patienten zum richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung zu treffen.“

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